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Hatha-Yoga-Pradipika – wie wir die Gegensätze in uns vereinen können

Dieser Blog-Beitrag bildet den Abschluss unserer Serie zu wichtigen Quellentexten des Yoga. Nach den Upanishaden, der Bhagavadgita und dem Yogasutra folgt heute die Hatha-Yoga-Pradipika.

Die Hatha-Yoga-Pradipika ist etwa um 1.400 nach Christus entstanden. Als Verfasser gilt Yogi Svatmarama. Das Werk besteht aus Lehrsätzen (slokas), unterteilt in vier Kapitel, die sich den Themen asana, pranayama, mudra und samadhi widmen. Asana, pranayama und samadhi tauchen auch im Yogasutra auf. Mudra bedeutet Siegel oder Geste. Diese Übungen sollen der Zerstreuung von prana (der Lebensenergie) entgegenwirken und Körper und Geist verbinden.

Was bedeutet eigentlich Hatha Yoga?

Um uns weiter dem Text anzunähern, schauen wir uns nun die Bedeutung der einzelnen Worte an. Pradipika bedeutet im Sanskrit Leuchte, dieses Werk ist also die Leuchte des Hatha Yoga. Der Begriff „Hatha Yoga“ ist sehr präsent, viele Yoga-Kurse verwenden diesen Begriff in ihren Ausschreibungen, die Krankenkassen bezuschussen Hatha Yoga-Kurse. Was aber steckt hinter diesem Begriff? Die wörtliche Übersetzung aus dem Sanskrit ist Anstrengung. Eine weitere Bedeutung zeigt sich, wenn man das Wort in seine zwei Silben zerlegt: ha steht für die Sonne und tha für den Mond. Damit werden die gegensätzlichen Energien oder Anteile in uns angesprochen.

Feinstoffliche Konzepte in der Hatha-Yoga-Pradipika

Die in dem Wort hatha enthaltenen Gegensätze werden in der Hatha-Yoga-Pradipika in Form eines feinstofflichen Konzeptes vermittelt. In diesem Konzept durchziehen unzählige Energiebahnen, die sogenannten nadis, unseren Körper. Dabei gibt es pro Körperseite einen Hauptnadi, genannt ida auf der linken Körperseite und pingala auf der rechten. Zusätzlich befindet sich ein Hauptnadi, als susumna bezeichnet, in unserem Körperzentrum, in der Wirbelsäule. In diesem Konzept können Verunreinigungen in den nadis durch Anstrengung (hatha) in unserer Yoga-Praxis beseitigt werden. Diese Verunreinigungen werden als Schlacken oder Blockaden in unserem System verstanden und können sowohl auf körperlicher Ebene als auch auf geistiger und emotionaler Ebene (vgl. klesas im Yogasutra) vorliegen. Sie werden in der Hatha-Yoga-Pradipika als kundalini, eine zusammengerollte Schlange, die am unteren Ende unserer Wirbelsäule ruht, symbolisiert. Durch unsere Yogapraxis können wir, laut Hatha-Yoga-Pradipika, diese Blockaden lösen. Dadurch können Gegensätze in uns harmonisiert werden und unser Hauptnadi wird frei, so dass prana darin ungehindert fließen kann – oder mit anderen Worten gebündelt wird, was der Zerstreuung von prana entgegenwirkt.

Wer das Wissen über dieses Konzept weiter vertiefen möchte, dem sei das Buch von Hartmut Weiss „Quellen des Yoga“ empfohlen. Und für alle, die es etwas bodenständiger lieben, schauen wir uns nun das erste Kapitel der Hatha-Yoga-Pradipika zur asana-Praxis etwas genauer an.

Empfehlungen zur asana-Praxis in der Hatha-Yoga-Pradipika

In der Hatha-Yoga-Pradipika wird auch die Bedeutung der Übungspraxis und damit die Bedeutung eigener Erfahrungen betont. Daneben werden in diesem ersten Kapitel die idealen Bedingungen für die Yogapraxis beschrieben. Hierzu gehört der Lebenswandel, als kontraproduktiv werden unter anderem „Zuviel Nahrung und Anstrengung, … „ genannt. [1] Ein weiterer Punkt ist das Umfeld, eine ruhige und sichere Umgebung wird empfohlen, so wie das Üben unter Anleitung einer Lehrperson. Besondere Kleidung ist laut Yogi Svatmarama – ganz entgegen dem heutigen Mainstream – nicht nötig.

In der Hatha-Yoga-Pradipika werden verschiedene asanas beschrieben, wobei es sich überwiegend um sitzende asanas handelt. Im Text werden konkrete Anleitungen zum Einnehmen des jeweiligen asanas gegeben. So wird in sloka 44 des ersten Kapitels das Einnehmen des Lotussitzes beschrieben. Im folgenden sloka wird dann eine Variation des Lotussitzes beschrieben, die weniger fordernd ist: der leichte oder angenehme Sitz. Diese Anpassung von asanas an die Übenden entsprechend den individuellen Möglichkeiten ist ein sehr wichtiger Aspekt jeder asana-Praxis, welcher in der Tradition Krishnamacharya / Desikachar / Sriram im Fokus steht.

Teils erklärt Yogi Svatmarama auch die Wirkung einzelner asanas. Insgesamt verspricht die Hatha-Yoga-Pradipika dem, der „ohne Eitelkeit“ übt, folgende Wirkung: „Sie (die asanas) bewirken Stärke, Ruhe und machen alle Glieder leicht.“ [1] Das klingt doch erstrebenswert. In diesem Sinne, bleiben wir dabei … beim Üben zu Hause ganz mit uns, im Gruppenunterricht und für alle, die ihr Wissen weiter vertiefen möchten im Rahmen von Seminaren und der Yogalehrausbildung.

Im nächsten Blog-Beitrag schreibt Cornelia über Yoga in der Schwangerschaft. Was gibt es zu beachten, was sind die Dos und Dont’s?

Melanie Klingler, Gelnhausen, 16.05.2022.

Quelle aller im Text verwendeten wörtlichen Zitate:

[1] Harmut Weiss: Quellen des Yoga. Wien: Otto Wilhelm Barth Verlag, 1986.

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